Gastbeitrag Fleur

Panama und San Blas in 18 Tagen

„Oh wie schön ist Panama“
Ein kleines Paradies mit Macken. Es sieht wohl so aus, als würden Dirk und ich vom Jamaika-Phänomen, wie ich es nenne, verfolgt werden. Wir sind meist zu Gast auf der Sunrise in Ländern, die viel Potential haben, es aber leider kaum nutzen. Panama hat eine wunderschöne Natur, eine Artenvielfalt die man sonst kaum irgendwo findet, fruchtbaren Boden und kein Wasserproblem. Leider funktioniert auf dem Festland weder der Tourismus richtig, noch wird das Potential des Bodens genutzt. Einzig der Straßenbau scheint zu florieren. Panama City hat ein wunderbar planloses, jedoch perfekt funktionierendes Busnetz. Für Fremde kaum durchschaubar. Es gibt eine App mit Routen, die ist aber leider zu nichts zu gebrauchen. Es bewährt sich, sich halbwegs durch zu fragen und mit Google Offline Maps die Strecke zu verfolgen um heraus zu bekommen, ob man richtig ist und wo man aussteigen muss. Klappt ganz gut. Es fahren Busse immer und überall hin, in alle Richtungen zu allen möglichen Uhrzeiten. Einen Fahrplan gibt es nicht. Sobald man mal kapiert hat, dass quasi alles über den Busbahnhof Albrook geht kommt man irgendwie durch. Wahrscheinlich deutlich langsamer als die Insider aber immerhin. Dirk und ich haben an unserem Letzten Tag in Panama City die Metro für uns entdeckt. Neu gebaut, modern, Klimaanlage. Eine einzige Linie und mit Fahrplan und Routenkarte. Geht doch! Es besteht Hoffnung. Linie 2 ist im Bau.
Mit Panama City selbst ist man schnell durch. Eine Großstadt mit vielen Hochhäusern und Hotels mit Slum-Vierteln gleich um die Ecke. Man hat eher den Eindruck, dass die Hälfte der Gebäude nicht bewohnt wird, oder (noch) nicht fertig gebaut wurde. Eine Skyline wie mach eine Großstadt in Amerika. Hin und wieder gibt es kleine Highlights, wo jemand mal wirklich etwas durchgezogen und schön aufgebaut und restauriert hat. Die Altstadt wird Stück für Stück renoviert. Es gibt und es entstehen neue Restaurants, Live-Musik, Kunst und schöne Läden. Hoffentlich geht das so weiter. Etwas außerhalb der Stadt findet man das Bio Museum. Ein wirklich sehr gut gemachtes Museum über Vegetation und Artenvielfalt. Es ist sehr modern aufgebaut und man merkt deutlich, dass die Mitarbeiter dort gut ausgebildet sind und über ihr Themengebiet sehrgut Bescheid wissen. Am Ende des Museums wird in einem Raum mit Kurzfilmen auf Panamas wirklich großes Müllproblem aufmerksam gemacht. Wäre vielleicht ein Ansatz alle Schulkassen hier einmal durch zu schicken. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Der Panamakanal funktioniert wie ein Uhrwerk. Schiff nach Schiff geht durch die Schleusen. Es ist beeindruckend, naja weil es eben der Panamakanal ist. Allerdings ist es auch nichts anderes als die Schleusen auf dem Neckar, nur in viel größer. Der Unterschied ist, auf dem Neckar braucht man keine extra Schleusencrew an Bord. Naja, scheint neben den Taxiunternehmen, Busunternehmen und Polizeibehörde(n) in Panama der Top Arbeitgeber zu sein.

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Altstadt von Panama City

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Altstadt von Panama City

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Linienbus

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Linienbus

Von Panama City mit der Panama Railway ging es nach Colon. Die Strecke ist wirklich sehr schön, man sieht einiges von der Natur um den Panamakanal herum. Von Colon aus ging es auf schnellstem Weg nach Puerto Lindo. Zu meiner Freude sind die Duschen in der Marina besser als angekündigt. Ich hatte mich auf das Schlimmste eingestellt. Es geht, man muss zwar schnell Duschen um nicht die ganze Kabine zu überfluten, der Abfluss ist nicht der beste, aber wir hatten schon schlimmeres.

Von Puerto Lindo aus ging es für uns endgültig in die WiFi-freie Zone, ins little Paradise den San Blas Inseln. Von den Kuna Indianern bewohnt und „bewirtschaftet“. Kleine Palmeninseln wohin man schaut, Idylle!

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Man vertreibt sich die Zeit mit Schnorcheln ums Boot rum, Barnickels vom Boot schrubben, schnorcheln, Inselchen gucken, schnorcheln, auf die Insel fahren, schnorcheln, PET Flaschen und Flip-Flops aus dem Weg schwimmen, schnorcheln, auf die andere Insel gehen, schnorcheln, Gemüse beim Vegi-Kuna kaufen, schnorcheln, andere Kuna Verkaufsboote abwimmeln (die mit den armen Lobster), schnorcheln, Molas kaufen bei Venancio, schnorcheln, Ankermanöver Kino, schnorcheln usw. Schwimmhäute und Sonnenbrand sind vorprogrammiert. Das Wasser ist aber der schönste Ort um den Tag zu verbringen, da an Deck die Temperatur gefühlt 10 Grad wärmer ist. Viele Inseln werden von Familien bewohnt, die dort für Touristen Getränke, Ketten, Armbänder oder Molas verkaufen. Bei einigen Inseln muss man eine kleine Gebühr bezahlen, um den Strand zu nutzen. Kauft man allerdings ein Getränk entfällt die Gebühr, wenn man Glück hat (auf der coolen Kuna Insel).

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Kuna Restaurant

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Kuna Fischer

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Kuna Mola Verkäufer

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Meinen Geburtstag verbrachten wir am Strand von Nuinudup „der coolen Kuna Insel“. Hier sind wir direkt mitten in den Sonntagsausflug der Kuna Familie gekommen. Nett wurden wir mit Handschlag begrüßt. Als wir die Schnorchel Maske ausgepackt haben gab es für die Kids kein Halten mehr. Die Maske wurde eingenommen. Obwohl mein Spanisch Vokabular nicht wirklich über eine Unterhaltung wie „Ich heiße…“, „ich komme aus Deutschland“ und ich spreche wenig, wenig Spanisch“ hinaus reicht, buken wir mit den Kindern den Nachmittag lang Sandkuchen, schauten nach den Fischen und Seesternen und bevor wir uns versehen sind wir mitten im Clan Ausflug integriert. Jeder hatte mal den Schnorchel auf (auch die Hälfte der Erwachsenen). Für die Kinderbetreuung, fürs Festhalten der Kinder im tieferen Wasser, gab es Bier vom Kuna Papa. Paddeln können sie irgendwie alle, richtig Schwimmen aber überraschenderweise nicht. Es war ein lustiger Nachmittag mit den netten Kunas.

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Einen Tag später waren wir auf der Insel gegenüber und die Bewohner dort sind geschäftstüchtig und unfreundlich. Dafür gibt es hier ein kleines Riff mit ein paar bunten Fischen zum Schnorcheln. Es ist hier nicht klar ersichtlich, ob das Korallenriff sich erholt (wie der Hamburger Segler behauptet, der seit 10 Jahren in San Blas dümpelt) oder ob es am Absterben ist. Es ist jedenfalls kein sehr großes Riff und die Fische rotten sich zusammen um ein paar Korallen.

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Riff

Einen Abstecher zu einem anderen Ankerplatz haben wir gemacht, konnten aber wegen dem „Hai-Moment“ und dem „Müllproblem“ nicht dort zum Schnorcheln bleiben. So ging’s wieder zur altbewährten Stelle zurück. Man kann hier beim Schnorcheln einiges entdecken. Ab und zu schwimmt ein Rochen vorbei oder ein Schwarm bunter Fische. Babysepia mit den coolen gelben Augen kann man sehen, aber seltener und eher von Deck aus, da sie sehr scheu sind. Leider hält sich die eine Schildkröte, die ab und zu an der Wasseroberfläche zu sehen ist gut versteckt. Besser ist das, denn die Kunas essen und jagen Schildkröten. Am Rumpf der Sunrise sind freundliche kleine Fische die sofort da sind, sobald der Anker gefallen ist. Am Strand findet man jede Menge Seesterne, diese sind völlig harmlos. Man soll sie nicht aus dem Wasser nehmen und nicht umdrehen. Wir lassen sie einfach in Ruhe. Die Kuna Kinder allerdings hatten Spaß daran, die Seesterne alle auf einem Haufen zu sammeln und dann zu schauen, welcher der schnellste ist, der davonkriecht. Seesterne sind zwar tiefenentspannt, mögen es aber verständlicherweise überhaupt nicht auf einem Haufen gestapelt zu werden.

Die Abende verbringen wir mittlerweile weniger mit Mexican-Train spielen, seit diesem Jahr wird mit Mama SkipBo und Uno gespielt.

Schneller als man glaubt vergehen die Tage zwischen den Inseln. Viel zu schnell ging es aus dem Palmenparadies zurück nach Puerto Lindo. Der Countdown läuft. Viel zu tun steht nicht mehr auf der Liste. Noch einen wirklich guten Abstecher zu Sandra ins Bamboo Guesthouse zum Fisch essen, Gin Tonic trinken und schlafende Kolibris gucken.
Papa muss überredet werden um mit dem Dinghy durch die Mangroven zu fahren um „mal zu gucken“ bei der Panamarina nebenan. Das entpuppte sich als kleiner Chaos-Trip, der Motor wollte nicht mehr wie wir wollten und wir paddelten durch die Mangroven. Der Vorteil: Die bunten Krebse sind etwas langsamer verschwunden als auf dem Rückweg wo der Motor wieder lief. Die Stimmung war trotzdem im Keller. Was willst machen, das Ding ist eben zickig. Echt mieses Dinghy und Motor Karma auf der Sunrise?!? Zur Strafe wird das Dinghy geputzt, weggeräumt und der Motor darf weiter zickig am Heck hängen.

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Mangroven Tunnel

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Mangroven Tunnel

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Mangroven Tunnel

Für uns heißt es jetzt leider langsam Koffer packen. Wir bleiben noch eine Nacht in Panama City im Hotel, um nicht das abenteuerliche Bus System und das Flughafen Gedöns an einem Tag zu haben. Eine gute Entscheidung wie sich herausstellt….

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Panama City

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Panama City bei Nacht

The way home. Fortsetzung folgt.